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Barrierefreie Videos sind so gestaltet, dass alle Menschen unabhängig von Beeinträchtigungen oder technischen Einschränkungen die Inhalte vollumfänglich wahrnehmen können. Dies kommt insbesondere Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen zugute, nützt aber auch vielen anderen. Beispielsweise profitieren auch Nicht-Muttersprachler oder Nutzende ohne Kopfhörer von Untertiteln und Transkripten.

Ein barrierefreies Video kombiniert verschiedene Zugänglichkeits-Komponenten: Untertitel für hörbare Inhalte, Audiodeskription für visuelle Inhalte, Übersetzung in Deutscher Gebärdensprache (hier nicht enthalten, bitte schaut euch dafür den BFIT-Leitfaden Gebärdensprachevideos nach BITV 2.0 an), sowie zugängliche Player-Steuerung und ergänzende Transkripte. All diese Aspekte sollten idealerweise von Beginn an mitgeplant werden, um aufwendige Nachbesserungen zu vermeiden. Im Folgenden geben wir einen praxisorientierten Leitfaden, der klare Handlungsanweisungen und technische Hinweise enthält. Verstehen, welche Barrieren noch bestehen und wie sie Unterstützung erhalten können.

Die Pflicht zur Gestaltung barrierefreier Videos beruht auf einem mehrstufigen Rechtsrahmen. Auf europäischer Ebene gilt die EU-Webseitenrichtlinie 2016/2102. Sie wurde in Deutschland durch das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) umgesetzt. Es verpflichtet öffentliche Stellen des Bundes dazu, ihre Websites und Apps – einschließlich Videos – barrierefrei zu gestalten. Diese Anforderungen werden durch die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) konkretisiert.

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) macht dazu konkrete Vorgaben. Diese werden als erfüllt vermutet, wenn digitale Inhalte den Anforderungen harmonisierten, europäischen Standards EN 301 549 (Version 3.2.1) entsprechen. Dieser Standard bezieht sich wiederum auf die Erfolgskriterien der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) in der Version 2.1 der Konformitätsstufen A und AA.

WCAG-Erfolgskriterien für Videos:

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Nach WCAG 2.1/2.2 müssen Videos je nach Inhalt bestimmte Erfolgskriterien erfüllen (für Konformitätslevel A oder AA):

  • Untertitel für aufgezeichnete Medien (WCAG-Erfolgskriterium 1.2.2, Stufe A): Für alle vorab produzierten Videos mit Ton müssen Untertitel bereitstehen.
  • Audiodeskription oder Text-Alternative für Videos (1.2.3, Stufe A): Visuelle Informationen in Videos müssen zumindest in Textform oder alternativ als Audiodeskription verfügbar sein.
  • Untertitel für Live-Medien (1.2.4, Stufe AA): Live-Übertragungen mit Ton sollen ebenfalls untertitelt werden (sofern zumutbar).
  • Audiodeskription für aufgezeichnete Videos (1.2.5, Stufe AA): Wichtige visuelle Inhalte in aufgezeichneten Videos müssen mittels Audio beschrieben werden (durch eine zusätzliche Tonspur oder integrierte Bildbeschreibungen).

Untertitel (Closed, Open & Live Captions)

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Untertitel sind schriftliche Textzeilen, die den gesprochenen Ton eines Videos wiedergeben und sichtbar eingeblendet werden. Diese enthalten nicht nur Dialoge, sondern auch wichtige Geräusche, Musik und andere Audiohinweise (z. B. „[Telefon klingelt]“ oder „[dramatische Musik]“), soweit sie zum Verständnis relevant sind.

Man unterscheidet:

  • Closed Captions (CC): Abschaltbare Untertitel, die individuell ein- oder ausgeblendet werden können (z. B. über ein CC-Symbol im Player)
  • Open Captions: Permanent ins Video eingebrannte Untertitel, die nicht deaktivierbar sind. Open Captions müssen besonders gut lesbar gestaltet sein, da Nutzer sie nicht anpassen können.
  • Live-Untertitel: Untertitel für Live-Übertragungen (z. B. bei Webcasts, Online-Events oder Fernsehlivestreams). Sie werden in Echtzeit erstellt, entweder durch menschlich erstellte Schriftdolmetschenung oder automatisiert via Spracherkennung. Live-Untertitel haben naturgemäß eine gewisse Verzögerung und können Fehler enthalten; dennoch sind sie für gehörlose Zuschauer bei Live-Events sehr wichtig.

Anforderungen an barrierefreie Untertitel:

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Untertitel machen audiovisuelle Inhalte für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich und nützen auch vielen anderen Nutzenden. Damit Untertitel effektiv und zugänglich sind, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Vollständigkeit: Alle gesprochenen Inhalte und wichtigen Audio-Informationen müssen im Text erscheinen. Dazu gehören Dialoge, Off-Kommentare sowie Geräusche oder Musik, sofern sie für Handlung oder Stimmung wesentlich sind.
  • Synchronität: Untertitel müssen lippensynchron zum gesprochenen Wort eingeblendet werden. Eine Person, die das Video ohne Ton schaut, soll das Gefühl haben, nahezu zeitgleich mitzulesen, was gesagt wird.
  • Eindeutigkeit: Es soll immer klar erkennbar sein, wer spricht. Wenn verschiedene Personen sprechen, kann dies etwa durch vorangestellte Namenslabels („Max: …“) oder unterschiedliche Farben/Positionen der Untertitel kenntlich gemacht werden. Farbige Sprecherzuordnung wird z. B. von tauben Nutzenden geschätzt, ist aber mit Augenmaß einzusetzen (hoher Kontrast erforderlich!).
  • Lesbarkeit: Untertitel sollten in gut lesbarer Schriftart und -größe erscheinen, idealerweise ohne Serifen und mit ausreichendem Kontrast zum Hintergrund. Gängig ist weiße oder gelbe Schrift auf schwarzem halbtransparentem Balken, da dies auf verschiedenem Videohintergrund gut sichtbar bleibt. Es dürfen maximal zwei Zeilen gleichzeitig erschienen, um das Sichtfeld nicht zu überfrachten. Die Zeilenlänge sollte begrenzt sein – im deutschen Fernsehen sind z. B. ca. 37 Zeichen pro Zeile üblich.
  • Anzeigedauer: Jede Untertitel-Einblendung muss lang genug stehen, damit durchschnittliche Leser sie erfassen können. Als grobe Richtlinie gilt: keine Einblendung kürzer als ~1,5 Sekunden; lieber länger bei komplexen Sätzen. Im Zweifel sollte man das Video testweise mit Untertiteln anschauen und prüfen, ob komfortabel mitgelesen werden kann.
  • Platzierung: Untertitel dürfen keine wichtigen Bildelemente verdecken. In der Regel stehen sie am unteren Bildschirmrand. Falls dort etwa Einblendungen (z. B. Bauchbinden mit Namen) vorkommen, platziert man die Untertitel höher oder teilt den Screen, damit sowohl Text als auch Video-Inhalt sichtbar bleiben. Manche Player erlauben es Nutzenden auch, die Untertitel-Position anzupassen.

Erstellung und technische Umsetzung:

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Mittlerweile gibt es zahlreiche Tools, um Untertitel zu erstellen. Drei gängige Vorgehensweisen sind:

  1. Manuelle Untertitelung erstellen: Mit spezialisierten Programmen kann das Video geladen, Textpassagen eingetippt und genau zeitkodiert werden. Dies liefert oft die beste Qualität, erfordert aber Aufwand und Übung.
  2. Automatische Spracherkennung nutzen: Es gibt Plattformen und Programme die automatische Untertitelung anbieten. Diese sollte man allerdings korrigieren und nachbearbeiten, da Erkennungsfehler (v.a. bei Eigennamen, Fachbegriffen oder Dialekten) häufig sind. Solche Tools transkribieren das Video und erzeugen u.a. Untertiteldateien (z. B. SRT oder VTT), die man anschließend einbinden kann.
  3. Extern untertiteln lassen: Für wichtige Inhalte (z. B. Imagefilme, Lehrvideos) kann man Dienstleister beauftragen. Diese liefern meist professionelle Qualität und auch Untertitel nach Standardformat. Üblich sind .SRT-Dateien (SubRip) oder WebVTT (.vtt), die sowohl Zeitstempel als auch Text enthalten. Vorteil: diese Dateien sind klein und können getrennt vom Video bereitgestellt werden (Closed Captions).

Beim Upload auf Video-Plattformen sollte man immer prüfen, wie Untertitel unterstützt werden. YouTube z. B. ermöglicht das Hochladen eigener Untertitel oder die direkte Online-Bearbeitung im Video-Manager. LinkedIn, Facebook, Twitter (X) und viele andere akzeptieren ebenfalls SRT-Dateien zum Video. Informiert euch über die Vorgaben der Plattform (Formate, Dateibenennung etc.) und testet nach dem Upload, ob die Captions korrekt angezeigt werden.

Besonderheiten bei Live-Untertiteln:

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Live-Untertitelung erfordert spezielle Software oder Dienstleister. Es gibt Lösungen mit Spracherkennung (etwa Zoom oder Teams bieten automatische Echtzeit-Untertitel an), jedoch sind diese nicht immer ausreichend genau. Für professionelle Ansprüche sollte ein Live-Untertitel-Dienst (Schriftdolmetschung) eingebunden werden, der via Stream untertitelt. Stellte vor dem Event sicher, dass der Player/Streamingdienst Live-Untertitel unterstützt und das Publikum weiß, wie sie aktiviert werden. Wenn Live-Untertitel technisch nicht machbar sind, sollten zumindest im Nachgang eine Aufzeichnung mit Untertiteln bereitgestellt oder ein Transkript des Gesagten veröffentlicht werden.

Weitere Infromationen zu Untertiteln könnt ihr hier lesen: Untertitel für barrierefreie Inhalte

Was ist Audiodeskription (AD)?

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Audiodeskription ist die hörbare Beschreibung wichtiger visueller Elemente eines Videos für Menschen, die es nicht sehen können. Ein Sprecher oder eine Sprecherin vermittelt dabei zwischen Dialogen die Informationen, die man sonst nur visuell erhielte – z. B. das Aussehen von Personen, Gestik/Mimik, Handlungen ohne Dialog, Szenenwechsel, eingeblendeter Text oder Grafiken. Audiodeskriptionen sind insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen essentiell, damit sie dem Video inhaltlich folgen können. Aber auch sehende Nutzende in bestimmten Situationen (z. B. jemand, der ein Video nebenbei „nur hört“) profitieren vom zusätzlichen Bildkommentar.

Formen der Audiodeskription:

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  • Eingebaute Audiodeskription: Hier wird die Beschreibung direkt im regulären Video-Audio untergebracht – entweder indem vorhandene Sprechpausen genutzt werden (zwischen den Dialogen), oder indem man die Moderation so gestaltet, dass visuelle Inhalte gleich mitbeschrieben werden. Beispielsweise könnte ein Erklärvideo so beschrieben werden: „Auf dem Schaubild sehen wir drei Balken – der größte ist blau und repräsentiert 50%..“ statt nur „Hier sehen wir die Statistik“. Diese integrative Methode entspricht dem „Zwei-Sinne-Prinzip“: Informationen werden nach Möglichkeit immer zugleich auditiv und visuell bereitgestellt. Ist die AD (Audiodeskription) von vornherein ins Skript integriert, spricht man auch von „integrativer Audiodeskription“, die sehr effizient und nutzerfreundlich ist.
  • Zusätzliche Audiodeskriptionsspur: Hier wird eine separate Audiospur produziert, auf der eine Sprecherstimme nur die Beschreibungen liefert, während der Originalton des Videos leiser im Hintergrund läuft. Dies wird oft als alternative Version des Videos bereitgestellt („Videoversion mit Audiodeskription“) oder – falls der Player dies unterstützt – als umschaltbare Tonspur angeboten. Vorteil: Die Originalfassung bleibt unverändert, und die AD-Version kann nachträglich produziert werden. Nachteil ist, dass man zwei Dateien verwalten muss und Nutzende aktiv die AD-Version wählen müssen.
  • Erweiterte Audiodeskription: Wenn ein Video sehr wenige oder gar keine Pausen für Beschreibungen lässt (z. B. actionreiche Szenen mit Dauer-Dialog), kann eine erweiterte AD nötig sein. Dabei wird das Video temporär angehalten, um längere Beschreibungen einzufügen, und läuft danach weiter. Dieses Verfahren wird in WCAG als AAA-Erfolgskriterium (1.2.7) geführt und vor allem bei Filmproduktionen eingesetzt, wo vollständige Barrierefreiheit erreicht werden soll. In Web-Videos ist es eher selten, da das Einfrieren der Handlung für alle Zuschauenden merklich ist. Ein pragmatischer Ansatz im Web-Kontext kann stattdessen sein, zusätzlich eine ausführliche Inhaltsbeschreibung in Textform bereitzustellen (siehe Transkripte), falls die Audio-Beschreibung nicht alles abdecken kann.

Wann ist eine AD (Audiodeskription) erforderlich?

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Immer dann, wenn rein visuelle Informationen für das Verständnis wichtig sind und nicht bereits durch den normalen Ton vermittelt werden. Beispiele: Ein Video zeigt Texttafeln oder Folien ohne vorzulesen – hier braucht es AD, die den Text vorliest. Oder es läuft eine Handlung ohne Dialog, die später wichtig ist – auch das sollte beschrieben werden. Es ist hingegen keine AD nötig, wenn ein Video überwiegend aus einer sprechenden Person besteht (z. B. Vortrag vor neutralem Hintergrund) und keine weiteren visuellen Inhalte vermittelt. In solchen Fällen wäre eine Audiodeskription redundant. Die WCAG erlauben bei vorab aufgezeichneten Videos auf Level A entweder eine AD oder alternativ ein vollständiges Text-Transkript. Für Stufe AA wird jedoch ausdrücklich eine Audiodeskriptions-Tonspur verlangt (Erfolgskriterium 1.2.5), es sei denn, das Video ist ohnehin bereits „selbstbeschreibend“ gestaltet (Zwei-Sinne-Prinzip). In der Praxis sollte man also spätestens bei komplexeren Videos abwägen: Kann eine blinde Person nur anhand des Originaltons dem Geschehen folgen? Wenn nein, muss eine AD her.

Erstellung einer Audiodeskription:

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Die Produktion einer guten Audiodeskription ist anspruchsvoll, da sie sowohl sprachlich präzise als auch künstlerisch stimmig sein soll. Größere Organisationen oder öffentliche Stellen beauftragen hierfür oft professionelle Hörfilm-Autoren, die auf AD spezialisiert sind. Es gibt in Deutschland Standards und eingespielte Techniken, u.a. die Beachtung von Reihenfolgen (zuerst Personen, dann Handlungen, dann Umgebung beschreiben), die Nutzung von Präsens und prägnanten Formulierungen, etc. Für kleinere Projekte kann man AD aber auch in Eigenregie erstellen.

  • Skript schreiben: Schaut das Video und notiert euch in chronologischer Reihenfolge die visuell wichtigen Punkte, die nicht im Originalton vorkommen. Formuliert kurze, klare Sätze in Gegenwartsform. Beispiel: Statt „Er hatte einen Brief in der Hand, den er las.“ besser „Er liest einen Brief.“
  • Zeitfenster nutzen: Platziert die beschriebenen Sätze so, dass sie in natürliche Pausen oder Lücken im Originalton fallen. Achtet darauf, Dialoge nicht zu überlagern. Wenn nötige Beschreibungen nicht in die vorhandenen Pausen passen, überlegt, ob einige weniger wichtige Elemente weggelassen werden können oder ob ggf. doch eine erweiterte AD/alternative Lösung nötig ist.
  • Vertonung: Lasst das AD-Skript von einer gut verständlichen Stimme einsprechen. Ideal sind professionelle Sprecher uns Sprecherinnen mit klarer Aussprache. Die Aufnahme muss technisch sauber sein (kein Rauschen, Lautstärke ähnlich zum Originalton). Falls ihr selbst sprecht: übt das Timing mit dem Video, sprecht ruhig und deutlich.
  • Mischen: Beim Zusammenführen mit dem Originalvideo (z. B. in einem Schnittprogramm) wird die AD-Spur so abgemischt, dass die Originalgeräusche leicht gedimmt werden, wenn die Erklärung spricht – aber niemals ganz stumm, damit Atmosphäre erhalten bleibt. Sobald kein AD mehr zu hören ist, Originalton wieder normal anheben.

Hat man die AD-Version produziert, stellt sich die Frage der Bereitstellung: Wie bieten wir die Audiodeskription an? Optimal ist eine umschaltbare Audiodeskription im Player, sodass Nutzende per Knopfdruck eine AD an- und ausschalten können. Einige barrierefreie Videoplayer unterstützen dies. In HTML5-Video lässt sich eine zweite Tonspur einbetten, jedoch ist die Browser-Unterstützung für Audio-Track-Wechsel begrenzt (Stand 2025). Alternativ kann man das Video mit AD als separate Datei bereitstellen – etwa durch einen zweiten Video-Player unter dem Hauptvideo, mit Hinweis „Video mit Audiodeskription“. Wichtig: Beide Versionen synchron halten und gleich auffindbar machen. Eine blinde Person sollte ohne große Mühe direkt zur AD-Version gelangen können (z. B. via Link oder Schalter, der per Screenreader erreichbar ist).

Ein Transkript ist eine Textfassung des Video-Inhalts. Im einfachsten Fall ist es der Wortlaut aller gesprochenen Dialoge (ähnlich einem Untertitel-Skript). Ein beschreibendes Transkript geht einen Schritt weiter und enthält zusätzlich schriftliche Beschreibungen der visuellen Ereignisse im Video– also quasi das, was in einer Audiodeskription vorkäme, nur in Textform. Transkripte sind ein wichtiges Hilfsmittel, um Videoinhalte auch ohne das Medium selbst zugänglich zu machen.

Davon profitieren:

  • gehörlose und schwerhörige Menschen, die lange Texte evtl. einfacher lesen können als schnelle Untertitel (da man sich Zeit lassen kann).
  • blinde und sehbehinderte Menschen. Ein Braille-Transkript ermöglicht taubblinden Personen den Zugang zu Videos, den weder Audio noch Untertitel allein gewährleisten könnten. Für diese kleine Gruppe ist ein vollständiges Text-Transkript oft der einzige Zugang zu Multimediainhalten.
  • alle Nutzenden, die Inhalte durchsuchen oder offline nachlesen wollen. Transkripte bieten eine schnelle Möglichkeit, inhaltlich zu recherchieren, Zitate zu kopieren oder ein Video in Ruhe zu studieren, ohne es abspielen zu müssen. Zudem verbessern Transkripte die Auffindbarkeit (SEO) von Videos, da Suchmaschinen den Text indexieren können.

Ein gutes Transkript soll alle wesentlichen Inhalte des Videos wiedergeben. Das umfasst: den gesprochenen Text (möglichst wortgetreu oder zumindest sinngemäß), Kennzeichnung verschiedener sprechender Personen(z. B. mit Namen oder Initialen) und Beschreibung relevanter Aktionen. Beispielsweise könnte ein Transkriptausschnitt so aussehen:

Max: Herzlich willkommen zu unserem Schulungsvideo.
[Blendet eine Folie mit dem Titel "Agenda" ein\]
Max: Zuerst schauen wir uns die Grundlagen an.

Hier wird deutlich, wer spricht und was visuell passiert (Einblenden einer Folie). Wichtig ist, dass ein Leser des Transkripts sich das Video ohne Bild und Ton vollständig vorstellen kann. Ein beschreibendes Transkript kann also Audiodeskription ersetzen, wenn es detailliert, genug ist. Allerdings ersetzt ein Transkript nicht die Untertitel für gehörlose während des Videoabspielens, da es asynchron zum Video ist. Es dient eher als ergänzendes Angebot „zum Nachlesen“.

Erstellung von Transkripten:

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Wenn ihr bereits Untertitel und ggf. ein Audiodeskriptionsskript erstellt habt, könnt ihr diese Quellen nutzen, um ein Transkript zusammenzustellen. Häufig reicht es, die Untertiteltexte aneinanderzureihen (für den Dialog-Teil) und dort, wo Audiodeskriptionen vorhanden sind, eine kurze Beschreibung einzufügen. Achtet darauf, dass die chronologische Reihenfolge stimmt und verseht das Transkript idealerweise mit Zeitmarken oder Abschnittstiteln, falls es sehr lang ist. Falls nicht ohnehin vorhanden, fügt Sprecher-Namen hinzu, damit der Kontext klar bleibt.

Transkripte sollten in einem einfachen, barrierefreien Format angeboten werden – am besten als HTML-Text direkt auf der Webseite oder als gut zugängliches PDF/Word-Dokument. Ein HTML-Transkript hat den Vorteil, dass es direkt im Browser gelesen, per Screenreader vorgelesen und per STRG+F durchsucht werden kann. Manche Videoplayer bieten eine eingebaute Transkript-Anzeige, die sogar synchron mit dem Video mitläuft. Solche Lösungen sind ideal, da Nutzende selbst entscheiden können, ob sie das Transkript parallel zum Video sehen möchten.

Stellt das Transkript in der Nähe des Videos bereit, z. B. als Link „Transkript herunterladen“ oder klappbarer Textbereich unter dem Video („Transkript anzeigen“). Weist ggf. darauf hin, welche Version es beschreibt („Transkript der Video-Version mit Audiodeskription vom 01.01.2025“ – so ist klar, auf welchen Schnitt es sich bezieht).

Es gibt Tools, die aus Videos automatisch Transkripte erzeugen (Spracherkennung). Diese ähneln den automatischen Untertiteln und müssen ebenso nachbearbeitet werden. In vielen Fällen hat man aber das Skript (bei eigenen Produktionen) ohnehin schriftlich vorliegen, sodass das Transkript mit wenig Aufwand erstellt werden kann.

Kontraste, Schriftgrößen und visuelle Gestaltung

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Die visuelle Gestaltung eines Videos beeinflusst maßgeblich, wie gut verschiedene Nutzergruppen die Inhalte erkennen können. Hier geht es sowohl um das Video selbst (z. B. Text in Folien, Farben, Kameraführung) als auch um ergänzende Einblendungen wie Untertitel, Gebärdenfenster etc. Einige Leitlinien für barrierefreie Gestaltung:

  • Ausreichende Kontraste: Stellt sicher, dass alle wichtigen visuellen Informationen mit hohem Farbkontrast dargestellt werden. WCAG fordert für Text einen Kontrast von mindestens 4,5:1 (bzw. 3:1 für große Schrift). Beispielsweise sollten sich Schriftzüge auf Folien oder Grafiken deutlich vom Hintergrund abheben. Verwendet bei Text am besten dunkle Schrift auf hellem Hintergrund oder umgekehrt. Auch bei Diagrammen und Grafiken: Unterschiedliche Kurven nicht nur durch Farbe unterscheiden, sondern z. B. auch durch Muster oder Label. Farbkombinationen, die häufige Seheinschränkungen betreffen (Rot-Grün, Blau-Lila, Grün-Braun), sollten vermieden oder zusätzlich markiert werden. Nutzt gegebenenfalls ein Kontrast-Checker-Tool, um die Farbwerte zu prüfen.
  • Lesbare Schriftgrößen: Alle Textelemente im Video (z. B. Folientexte, eingeblendete Namen, Untertitel) sollten groß genug sein, um auch von sehbehinderten Nutzenden erkannt zu werden. Bedenket, dass Videos oft auf kleinen Bildschirmen gesehen werden. Eine Mindestschriftgröße von ~18–24 pt (für Vollbild auf einem PC) ist ratsam; auf Folien in Präsentationsvideos lieber noch größer. Sans-Serif-Schriftarten sind meist besser lesbar auf Bildschirmen. Vermeidet verschnörkelte Fonts oder durchgehende Großschreibung von längeren Texten.
  • Blinken und Flackern vermeiden: Schnelle Blinkeffekte oder flackernde Lichter können für Menschen mit Epilepsie gefährlich sein. Auch Laufschriften (Ticker) oder ständig wechselnde Einblendungen sind für viele schwer erfassbar. Verzichtet auf unnötige Animationen im Bildhintergrund. Wenn Bewegungen gezeigt werden, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben, kann das ablenken – besser weglassen. Einblende-Effekte für Text sollten schlicht sein (z. B. simples Erscheinen statt hektischem Hereinfliegen).
  • Einblendungen (Visual Overlays): Viele Videos nutzen Texteinblendungen wie Namensbänder, Titel, Kapitelüberschriften etc. Gestaltet diese nach den gleichen Prinzipien: klare Schrift, große Größe, hoher Kontrast, genügend Anzeigedauer. Platziert die Einblendungen so, dass sie nicht mit bereits vorhandenen Untertiteln kollidieren. Falls euer Video sowohl Untertitel als auch Namenseinblendungen hat, kann man z. B. die Namensschilder oben links positionieren statt unten, um nicht an derselben Stelle wie Untertitel zu erscheinen.

Zusammengefasst: Eine gute visuelle Gestaltung stellt sicher, dass wesentliche Inhalte gut sichtbar und leicht erfassbar sind.

Checkliste zur Umsetzung von Barrierefreien Videos

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  • Untertitelspur vorhanden: Für alle gesprochenen Passagen und relevanten Geräusche liegt eine Untertitelung vor (Datei oder eingebrannt).
  • Qualität geprüft: Keine gravierenden Tipp- oder Synchronisationsfehler; Untertitel laufen im Timing mit der Sprache mit.
  • Lesbarkeit sichergestellt: Ausreichende Schriftgröße, hoher Kontrast, max. 2 Zeilen, sinnvolle Zeilenumbrüche (ca. 30–40 Zeichen pro Zeile).
  • Inhalt vollständig: Wichtige Audio-Infos (Musik, Geräusche, Sprecherwechsel) sind im Text angegeben (ggf. in eckigen Klammern oder kursiv).
  • Position optimiert: Untertitel verdecken keine wichtigen Inhalte im Video (ggf. alternative Position oder Hintergrundbox genutzt).
  • Plattform-Test: Untertitel auf der Zielplattform (Webseite, Social Media) lassen sich ein- und ausblenden und funktionieren in verschiedenen Browsern sowie auf mobilen Geräten.

Checkliste: Audiodeskription

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  • Relevanz geprüft: Das Video wurde darauf analysiert, ob visuelle Informationen enthalten sind, die ein nichtsehender Mensch nicht aus dem Originalton erfährt.
  • AD-Inhalt vollständig: Die Audiodeskription deckt alle inhaltlich wesentlichen visuellen Elemente ab (Personen, Aktionen, eingeblendeter Text, Grafiken, Schauplatzwechsel etc.). Unwesentliches wurde weggelassen, um die Beschreibung effizient zu halten.
  • Sprache und Länge: Die gesprochenen Beschreibungen sind kurz, präzise und verständlich formuliert. Die Sprecherstimme ist klar und gut hörbar. AD-Passagen wurden optimal in Pausen platziert, ohne wichtige O-Ton-Information zu überdecken.
  • Technische Umsetzung: Die AD-Spur ist sauber abgemischt (Originalton hörbar, aber bei AD-Passagen leicht abgesenkt). Die Bereitstellung erfolgt benutzerfreundlich – z. B. als zweite Tonspur im Player oder als alternativ abrufbares Video. Anleitung/Hinweis zur Aktivierung der AD ist vorhanden.
  • Qualitätssicherung: Nach Fertigstellung wurde die AD-Version idealerweise von einer sehbehinderten Person oder einem Experten getestet. Verständlichkeit, Timing und Vollständigkeit wurden bestätigt.
  • Transkript vorhanden: Zu jedem längeren Video ist ein Text-Transkript als HTML oder Download verfügbar, das alle gesprochenen und visuell wichtigen Inhalte abbildet.
  • Vollständigkeit: Das Transkript enthält neben dem Dialog auch Hinweise auf Geräusche/Musik sowie beschreibende Passagen für visuelle Ereignisse (mindestens in dem Umfang, wie es auch eine Audiodeskription täte).
  • Struktur & Sprecher: Unterschiedliche Sprecherrollen sind kenntlich gemacht (Name oder Rolle vor der Äußerung). Das Dokument ist übersichtlich formatiert (Absätze, ggf. Zeitstempel oder Kapitelüberschriften).
  • Zugriffsformat: Der Transkript Text ist in barrierefreiem Format bereitgestellt (HTML empfohlen). Falls als PDF/Dokument, wurde auf Tags und zugängliche Formatierung geachtet.
  • Verknüpfung mit Video: Das Transkript ist leicht auffindbar in direktem Zusammenhang mit dem Video (z. B. unter dem Player oder via Schaltfläche „Transkript“). Es ist klar, zu welcher Videoversion es gehört und ggf. welcher Stand (falls Video aktualisiert wurde, Transkript ebenfalls aktualisiert).

Checkliste: Visuelle Gestaltung

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  • Kontrast geprüft: Alle Texte und wichtigen Bildelemente heben sich deutlich vom Hintergrund ab (Kontrast ≥4,5:1 für normalen Text). Keine Pastell-auf-Pastell Farbkombis für Kerninhalte.
  • Text gut lesbar: Schriftarten ohne Schnörkel, ausreichend groß. Keine langen Textpassagen in Großbuchstaben. In Präsentationen/Dokumenten: minimale Schriftgröße eingehalten, Inhalte eventuell zusätzlich im Begleitmaterial vorhanden.
  • Keine schnellen Effekte: Kein Flackern oder Blinken, das epileptische Anfälle auslösen könnte. Keine dauerlaufenden Newsticker, die nicht pausierbar sind. Bewegte Hintergründe vermieden, sofern sie nicht zum Inhalt gehören.
  • Einblendungen & Overlay: Zusätzliche Texte (Namen, Titel) ausreichend groß und kontrastreich. Zeitlich so platziert, dass sie in Ruhe gelesen werden können. Einblendungen verdecken keine anderen relevanten Elemente (z. B. Untertitel, Dolmetscherfenster).
  • Konsistentes Design: Das Video folgt einem einheitlichen Gestaltungskonzept. Wiederkehrende Elemente (Logo, Intro/Outro, Hintergrundmusik) sind konsistent, was Orientierung und Wiedererkennung fördert. Bei Serien: alle Videos haben vergleichbares Layout.
  • Testdurchlauf: Video wurde hinsichtlich visueller Lesbarkeit getestet (z. B. auf kleinem Smartphone-Bildschirm abgespielt, um zu sehen, ob Text noch erkennbar ist). ggf. von Personen mit Sehbehinderung begutachten lassen.

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