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Möglichkeiten und Grenzen von automatisierten Tests

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Immer wieder besteht der Wunsch, Webauftritte oder Teile davon automatisiert zu testen, um möglichst schnell Rückmeldung zur digitalen Barrierefreiheit zu erhalten. In diesem Guide zeigen wir, welche Automatisierungen sinnvoll sind, worauf Ihr bei deren Einsatz achten müsst, und welche Grenzen es aktuell gibt. Als Grundlage nutzen wir die vom W3C verabschiedeten ACT Rules. KI-gestützte Testansätze sind hier nicht Teil des Betrachtungsrahmens.

Die ACT Rules (Accessibility Conformance Testing Rules) sind strukturierte Regeln, mit denen Teile von WCAG-Erfolgskriterien automatisiert geprüft werden können. Einige Aspekte eines Kriteriums lassen sich testen, andere jedoch nur manuell prüfen. Ziele sind Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit von Testergebnissen.

Die Regeln wurden von Expertinnen und Experten diskutiert und formell verabschiedet. Aktuell existieren 32 verabschiedete ACT Rules, mit denen etwa 16 der 50 A- und AA-Erfolgskriterien der WCAG 2.1 teilweise automatisiert geprüft werden können. Zudem liegen 36 vorgeschlagene Regeln vor, die sich noch in Diskussion befinden. Wichtig: ACT Rules sind informativ und kein verbindlicher Standard. Ein gemeldeter Fehler durch eine ACT Rule gilt allerdings als Hinweis auf einen Verstoß gegen das entsprechende Erfolgskriterium.

Es lässt sich automatisiert prüfen, ob ein Element ein beschriftendes Label besitzt. Nicht testbar ist, ob die Beschriftung inhaltlich passend ist. Ebenso kann eine Regel prüfen, ob lang-Attribute gesetzt sind, aber nicht, ob das Attribut sprachlich korrekt ist oder ob wechselnde Sprachabschnitte korrekt markiert sind.

Was bringen die Testergebnisse?

Permalink "Was bringen die Testergebnisse?"
  • Schneller Überblick: Sie liefern Fachkundigen eine erste Einschätzung der Barrierefreiheit einzelner Seiten.
  • Fehlende Sicherheit: Automatisierte Tests können nur einen Teil der Barrierefreiheitsanforderungen abdecken. Die Ergebnisse müssen manuell bestätigt werden.
  • Priorisierung: Sie helfen, Problemstellen schnell zu identifizieren und priorisiert zu bearbeiten.
  • Grenzen erkennen: Funktionen wie Sprachverständlichkeit, Kontext oder inhaltliche Angemessenheit lassen sich nicht automatisch testen.

Wie kann ich ACT Rules nutzen?

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Viele bekannte Browser-Plugins für Barrierefreiheit basieren auf den ACT Rules und eignen sich, um einzelne Seiten gezielt zu prüfen. Einige dieser Tools sind kostenfrei nutzbar, andere als kostenpflichtige Versionen mit erweiterten Funktionen verfügbar. Unterschiede zeigen sich unter anderem in der Darstellung der Ergebnisse, in der Aussagekraft der Diagnosen und in der Tiefe der Analyse. Darüber hinaus können mit ACT Rules eigene Automatisierungslösungen entwickelt und in Entwicklungs-Workflows eingebunden werden. Manche Plugins visualisieren zusätzlich Überschriftenhierarchien oder markieren Inkonsistenzen – auch wenn dafür aktuell keine offizielle ACT Rule existiert. Solche Darstellungen sind dennoch hilfreich, um strukturelle Schwachstellen schnell sichtbar zu machen. Viele Browser-Plugins und Barrierefreiheitstools nutzen ACT Rules als Prüfgrundlage.

  • ARC-Toolkit: Ein professionelles Page-Level-Testwerkzeug, das WCAG-Konformitätsprobleme sichtbar macht und zum Erkunden von Elementfehlern einlädt.
  • axe-core: Eine weit verbreitete Testbibliothek, die ihre Regeln zunehmend auf ACT Rule-Strukturen abstimmt.
  • Silktide Accessibility Checker: Ein browserbasiertes Tool, das zahlreiche WCAG-Prüfungen direkt anzeigt.
  • AccessibilityChecker.org: Frei nutzbarer Webdienst zur Überprüfung von WCAG-Konformität.

Umfang und Grenzen dieser Tools:

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  • Automatisierte Prüfung vieler Seitenaspekte.
  • Einheitliche Ergebnisse bei gleichen Regeln.
  • Schnelle erste Einschätzung.
  • Integration in Entwicklungs-Workflows.
  • Tiefgehende manuelle Tests nötig für Vollständigkeit.
  • Fehlalarme sind möglich und müssen geprüft werden.
  • Unterschiedliche Implementierungen der Tools führen zu Varianz bei Ergebnissen.
  • Übernimmt nur prüfbare Teilaspekte von WCAG.

Wann ist es sinnvoll Tools auf ACT Rules-Basis zu verwenden?

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Wenn ihr bereits Fachwissen in digitaler Barrierefreiheit und Webentwicklung habt, sind Tools auf ACT Rules-Basis ein sinnvolles Mittel, um Teilprüfungen automatisiert durchzuführen

Dabei ist stets wichtig:

  • Die Testergebnisse müssen interpretiert und validiert werden.
  • Nicht jeder Fehler aus dem Tool ist in allen Fällen ein echter Verstoß.
  • Nur mit Erfahrung lassen sich Fehlalarme und echte Problembereiche richtig unterscheiden.

Automatisierte Tests auf Basis von ACT Rules können nützliche Hinweise liefern, vor allem für einzelne Seiten. Sie helfen beim schnellen Überblick und lassen gezielte Nachprüfungen erkennen. Eine endgültige Bewertung kann jedoch nur gemeinsam mit manuellen Prüfungen und auf Grundlage von Erfahrungswissen erfolgen.

Weiterführende Informationen

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Eine Liste mit allen verabschiedeten und vorgeschlagenen Testregeln findet sich auf folgender Seite:

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